Traffic Light Romance

Den Mann mit Hut sucht man vergebens. Das macht aber auch nichts, denn das weithin bekannte Ost-Berliner Ampelmännchen gehört nunmal in die bundesdeutsche Hauptstadt. Selbst die Prachtbauten am Stadthimmel störten meine Wahrnehmung nicht, als ich die Kreuzung an der Lerchenfelder Straße, Ecke Museumsstraße in Wiens erstem Bezirk überquerte und mir die grellen grün-roten Lichtzeichen ins Auge sprangen. Seit Mai 2015 – Life Ball und Eurovision Song Contest sei Dank – schmücken die Hauptstadt Österreichs (und mittlerweile auch andere Städte der Alpenrepublik und Europas) Ampelmänner, Ampelfrauen und Ampelpärchen in den Varianten hetero, lesbisch und schwul.

Toleranz, Vielfalt, Partnerschaftlichkeit. Die Message ist eindeutig, dennoch rühmte die  internationale Presse die Wiener Ampelpärchen  im vergangenen Jahr nicht nur.

Als Tourist in die Stadt gekommen war mir die neuerliche Stadtverschönerung jedoch zuvor nicht bekannt. Doch was war es, was mich dazu bewegte, meinen Blick zu erheben? Weshalb blieb ich mitten auf der Kreuzung stehen, in Erstaunen und Interesse, was denn dort so anders leuchtete? Vom Fluss der Fußgänger an diesem Frühlingstag umspült, überquerte ich die Kreuzung gar mehrfach, um auch jede der einzelnen Paarungen und Ampelpartner in Augenschein zu nehmen.

Die Lichtintensität und die Andersartigkeit – zumeist sind Ampelmännchen doch Einzelgänger und die Leuchtflächen weitaus kleiner – waren es, die dazu führten, daß ich die Ampelpärchen überhaupt bemerkte. Und so dienten die Ampelpärchen auch noch einem weiteren Zweck: neben dem allgemeinen Appell an ein tolerantes Miteinander gewannen sie meine Aufmerksamkeit und lenkten meinen Blick auf das Lichtsignal. Eine Erhöhung der Verkehhrssicherheit hat die Stadt Wien somit jedenfalls erreicht, auch eine durchgeführte Blickstudie der Kommune bestätigt dies generell.

Ampelpärchen rocks. Den ersten Pop-up-Store, der Produkte rund um die Ampelpärchen anbietet, gibt es mittlerweile auch schon und ein Online-Shop ist in der Entstehung. So scheinen die Wiener Ampelpärchen auch kommerziell ein Erfolg zu werden, so wie es die Berliner Ampelmännchen bereits sind.

Toleranz, Verkehrssicherheit und erfolgreiches Produkt – dies verkörpern die Ampelpärchen. Dennoch sollte am Ende jedoch vor allem eines zählen: wie tolerant eine Gesellschaft ist, wie das Miteinander tatsächlich gelebt wird, ungeachtet der sexuellen Orientierung, der Herkunft, des Berufs, des Geschlechts, der Hautfarbe, des sozialen Status eines jeden Menschen, hängt alleine vom Verhalten des Einzelnen ab. Die Ampelpärchen sind daher nicht nur Symbol, nicht alleine nur durch eine perforierte Kunststoffabdeckung ersichtliches Lichtzeichen, sondern eine Aufforderung an uns, den oben formulierten Maßstab eines partnerschaftlichen Miteinanders tagtäglich zu überprüfen –  wie auch wir tagtäglich Ampelkreuzungen überqueren.

The Daily Post – Weekly Photo Challenge: Partners

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5 Gedanken zu “Traffic Light Romance

    1. Yes, Vienna went ahead as the New York Times (http://nytlive.nytimes.com/womenintheworld/2015/05/13/vienna-gets-gay-traffic-lights/), the BBC (http://www.bbc.com/news/world-europe-32711676) and many other international newspapers reported. In the meantime other cities joined or created their own such as Cologne, Hamburg and Munich/Germany or London/UK: http://mashable.com/2016/06/20/london-traffic-lights-lgbt-gay-pride/?utm_cid=mash-com-Tw-main-link#zEMBXY80aOql
      But to sum up: they should not only be a symbol or a simple traffic light design but they should also invite us to work on a tolerant coexistence, irrespective of sexual orientation, origin, occupation, gender, colour or social status every day again – as we cross traffic junctions every day again.

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      1. Another side effect: these traffic lights affect road safety positively. As they are up to 40 % brighter than the regular lights showing a single figure they increase attention leading to less people walking during the red phase of the lights.

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